Drecksspiel

 

Hannah wird von ihrem Mann Philip mit einem Wochenende in einer Hütte überrascht. Doch sie wird überfallen und dort festgehalten. Ihr Mann ist verschwunden. Leyla, eine junge Prostituierte, ist schwanger von einem Freier und wird brutal ermordet. Shirin, Tochter aus gutem Hause, wird entführt – die Lösegeldforderung ist hoch. Toni hat eine Prostituierte geschwängert und – außer Drogen - noch andere Probleme am Hals. David ist „ein Mann für alle Fälle“ – Problemlöser in Fällen, um die sich die Polizei nicht kümmern soll.

 

Diese und viele weitere Charaktere begleiten eine rasante Jagd um Mord, Prostitution, Drogen und Geld quer durch Berlin. Auf den ersten Blick haben die diversen Handlungsstränge absolut nichts miteinander zu tun. Abwechselnd werden die Situationen geschildert, womit natürlich der Spannungsbogen aufgebaut wird und der Leser neugierig immer weiter lesen möchte, um zu wissen, wie es weiter geht. Erst nach und nach zeigen sich die Zusammenhänge der Geschehnisse und Personen und der Leser kommt der Lösung näher. Und das ganz ohne Logikverluste!

 

Die Charaktere sind abwechslungsreich und teilweise gut ausgearbeitet. Manche bleiben etwas farblos, andere sind lebendiger geschildert. Abneigungen und Sympathie wecken alle aber sehr schnell. Viele Thriller warten mit „verkorksten“ Ermittlern auf – hier haben wir gleich zwei, die ihre Probleme mit sich herumtragen. Einer mit Drogenproblemen, der sich während des aktuellen Falls immer tiefer in den Dreck reitet und dann David. Ehemals Polizist, nur aus Andeutungen kann man sich sein tragisches Schicksal zusammenreimen. Nicht einmal seine Frau lässt er wirklich an sich heran. Schade – wieder ein tragischer Held; hier hätte ich mir wirklich mal einen „normalen“ Ermittler gewünscht. Und Toni mit seiner Fäkalsprache ging mir ziemlich auf die Nerven.

 

Ansonsten hat mir die sprachliche Umsetzung sehr gut gefallen. Kurze und knappe Sätze, eine direkte Sprache. Auch das Personenregister gleich zu Beginn war hilfreich – allerdings hätte es den einen oder anderen Charakter nicht gebraucht; manche waren so „kurzlebig“, dass man sich an ihn oder sie gar nicht erst gewöhnen musste.

 

Das Ende gleicht einem gelösten Puzzle – alle Handlungsstränge und Charaktere erhalten ihren Platz. Die Perspektivenwechsel haben zwar – wie schon erwähnt – einerseits die Spannung aufrechterhalten, aber auch durch die Vielzahl der Personen Konzentration erfordert. Die Auflösung des Falls, bzw. der Fälle, war überraschend und doch passend. Und der Cliffhanger verspricht einen weiteren Band.

 

Oktober 2013

Ullstein Verlag, ISBN 978-3-548-28537-5

Taschenbuch, 380 Seiten

VÖ: Oktober 2013