The Sign: Nur zu deiner Sicherheit

 

Nordamerika, im Jahr 2149. Das Land ist ein Überwachungsstaat geworden, der Status der Menschen wird anhand eines Kastensystems (hoher Rang = toller Job, gutes Einkommen). Junge Mädchen werden, sobald sie 16 Jahre alt sind, mit einer Tätowierung markiert – ab sofort dürfen sie legalen Sex haben. Und sie dürfen sich im sogenannten WeLS-Programm anmelden; hier wartet eine spezielle Ausbildung auf sie, anhand derer sie einen guten Job bekommen und somit im Rang aufsteigen können. Von den Medien wird all dies als höchstes Ziel gehandelt und die jungen Menschen glauben natürlich daran.

 

Nur Nina freut sich überhaupt nicht auf ihren Geburtstag. Zusammen mit ihrer Mutter und der kleinen Schwester Dee lebt sie in einem Vorort von Chicago in ärmlichen Verhältnissen. Ihr Vater starb bei ihrer Geburt, der Freund ihrer Mutter ist gewalttätig. Dann lernt sie eines Tages im Park Sal kennen und verliebt sich in ihn. Doch sie will sich nicht verlieben und zum „Sex-Teen“ werden. Als dann ihre Mutter bei einem Überfall brutal getötet wird und sie erfährt, dass ihr Vater angeblich lebt und zu einer Gruppe Widerständlern gehört, weiß sie gar nicht mehr, wem sie vertrauen kann. Sie weiß, sie muss ihren Vater finden, damit sie und Dee in Sicherheit sind.

 

Die Grundidee der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Die Welt, die Julia Karr zeichnet, ist keine, in der ich leben möchte. Jugendliche müssen einen implantierten GPS-Sender tragen, angeblich zu ihrer Sicherheit. Gespräche können jederzeit und fast überall abgehört werden, freie Meinungsäußerung wird nicht gerne gesehen. Dafür werden die Menschen überall und dauerhaft mit Werbung zugedröhnt, die fast schon an Gehirnwäsche erinnert. Was leider nicht erklärt wird, ist der Hintergrund dieser Situation – Aufstand, Krieg oder sonstiges. Auch werden viele Begriffe nicht erläutert; beispielsweise Trannies (Autos bzw. Busse), PAV (ähnlich wie ein Handy) etc. – die Bedeutung kann man sich entweder zusammen reimen oder es wird zufällig ein paar Seiten später erklärt.

 

Die Geschichte wird aus Ninas Sicht erzählt. Diese als Hauptperson ist mir während des kompletten Buches eher flach erschienen. Vieles dreht sich im Kreis; sie will nicht 16 werden, findet diesen „Sex-Teen“-Hype furchtbar, will sich nicht verlieben und verachtet ihren Körper, dass er auf Sal reagiert. Dies wiederholt sich auf den kompletten 480 Seiten immer wieder, ebenso wie die immer währende Angst vor Ed (Freund der Mutter) und damit einhergehend die Sorge um ihre Schwester. Die Erkenntnis, dass ihr Vater lebt und ihre Suche nach ihm, bleibt hier völlig nebensächlich. Auch die restlichen Charaktere – ihre alten Freunde, die neue Mitschülerin Wei und ihre Eltern sowie deren Mitwirken im Untergrund – bleiben im Hintergrund. Schade, denn manche der Charaktere hätten mehr Substanz wirklich verdient.

 

Der deutsche Titel passt meiner Meinung nach überhaupt nicht: The Sign – Nur zu deiner Sicherheit. Gut, das Tattoo, was die Mädchen als 16jährige ausweist, wird auch „The Sign“ genannt. Trotzdem finde ich hier den Originaltitel „XVI“ sehr viel passender.

 

Eine nette Dystopie für Jugendliche mit Hintergedanken: Sex sollte man erst haben, wenn man wirklich dazu bereit ist und nicht, weil man es erwartet. Und ein kleiner Denkanstoß, was Medienkonsum angeht.

 

Juli 2013

cbt, ISBN: 978-3570307724

Taschenbuch, 480 Seiten

VÖ: Dezember 2011