Mein erstes Buch von der Autorin. Zuerst hat mich das Cover angesprochen, dann der Klappentext. Und das Buch hat dann gehalten, was ich erwartet habe.

 

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Das verlorene Dorf

 

Oberbayern im 19. Jahrhundert. Das Waisenmädchen Rosalie war schon immer eine Außenseiterin mit ihrer hellen, fast durchscheinenden Haut, den hellen Haaren und empfindlichen Augen. Die andern Kinder meiden sie, fürchten sich vor ihr. Als in ihrem Waisenhaus ein Kind stirbt, macht man sie verantwortlich und sie muss gehen. Aufnahme findet sie in einem anderen Heim, doch auch hier bleibt sie lieber für sich. Bis sie eines Tages Romar, ein Bauer aus dem kleinen Örtchen Haberatshofen, begegnet. Er weicht nicht vor ihr zurück, ist freundlich, macht ihr sogar den Hof. Überglücklich stimmt sie seinem Heiratsantrag zu – aller Warnungen zum Trotz – und zieht zu ihm in das Dorf. Hier findet sie endlich die ersehnte Familie: Die anderen Dorfbewohner nehmen sie freundlich und liebevoll auf, Romars Cousine Sara wird schnell zu ihrer Freundin. Doch ihr Glück währt nicht lange, denn Romar verhält sich immer seltsamer und die übrigen Dörfler scheinen ein Geheimnis zu wahren. Als Rosalie diesem auf dem Grund geht, schwebt sie in Lebensgefahr.

 

Ich war schon von Stefanie Kaspers „Das Haus der dunklen Träume“ begeistert und wurde vom verlorenen Dorf nicht im Geringsten enttäuscht. Die Geschichte beginnt eigentlich eher langsam, indem man von Rosalies Kindheit und früher Jugend erfährt. So baut sich ein Sympathiegefühl gegenüber dem Mädchen auf, so dass man sich mit ihr freut, als sie sich verliebt und ebenfalls geliebt fühlt. Man wünscht ihr Glück für das neue Leben, aber merkt schnell, dass ihr Leben sich nicht zum Besseren gewendet hat.

 

Gekonnt erzählt die Autorin von den Geschehnissen im Dorf, schürt Rosalies Misstrauen – und das des Lesers – gegenüber den Dorfbewohnern. Sie beschreibt Rosalies Zerrissenheit: Sie liebt Romar, aber versteht ihn und sein wechselndes Verhalten nicht. Die Atmosphäre ist düster und trotzdem stimmungsvoll und reißt den Leser von Anfang an mit. Die Charaktere sind gekonnt beschrieben und wirken lebendig; nicht nur die Hauptpersonen, auch die Neben“darsteller“ bis hin zu den Kindern im Waisenhaus.

 

Das Cover passt perfekt zur Geschichte: Düster und beklemmend. Die fiktive Geschichte wurde rund um eine Legende geschrieben, die sich um Sachsenrieder Forst rankt. Das Dorf Haberatshofen gab es in Wirklichkeit und noch heute steht ein Gedenkstein an der Stelle, wo es sich befand.

 

Ich bin begeistert von diesem Buch und freue mich auf weitere Romane der Autorin.

 

April 2015

Goldmann, 978-3-442-47977-1

Taschenbuch, 384 Seiten

VÖ: April 2015